Die Lagos

30. September

Nach einem √ľppigen Fr√ľhst√ľck fahren wir erst ein wenig zur√ľck, ostw√§rts nach Cadore, und von dort s√ľdw√§rts Rtg Belluno.
In Valle die Cadore in der engen Ortsdurchfahrt knallt es auf einmal f√ľrchterlich,¬† und der linke Aussenspiegel ist zersprungen!
Anhalten ist unm√∂glich, es gibt keinen Parkplatz f√ľr unseren „Laster“, wir w√ľrden einen riesigen Verkehrsstau provozieren – und ein Blick in den R√ľckspiegel zeigt, dass auch niemand auf der Gegenspur schuldbewusst oder w√ľtend anh√§lt – also fahren wir einfach weiterIch habe bereits die Nase voll von Bergen und der Berg-und-Tal-Fahrerei und beschliesse, in Zukunft nur noch dort Urlaub zu machen, wo der Deich die h√∂chste Erhebung ist!
Ausserdem ist es mir hier heute ¬† zu kalt – ich wollte Sp√§tsommer und nicht Fr√ľhwinter!
Von Belluno aus geht¬īs nach einem ausf√ľhrlichen Einkauf weiter durch ein breites Tal Rtg. Feltre.
Obstbäume, Weinberge und Kastanienwälder begleiten uns, und wir kommen rascher voran als erwartet. Der Nieselregen hört auf, und die ersten Sonnenstrahlen wärmen unsere norddeutschen Knochen.
Wir sind bald schon in Trento, fahren weiter zum Gardasee, „w√ľhlen“ uns durch Riva die Garda und st√ľrzen uns wild entschlossen und auf alles gefasst in den ersten Tunnel der ber√ľchtigten¬† Gardesana Occidentale.
Wir konnten ja nicht ahnen, was auf uns zu kommt: stockdunkle Tunnel, schwarz wie die Nacht, kurvenreich, voller Gegenverkehr, und immer wieder Felsnasen, die es ausgerechnet auf die rechte obere Ecke unseres Womos abgesehen haben!
Angstschweissgebadet¬†¬† ( ich jedenfalls)¬† finden wir mitten in einem Tunnel die Ausfahrt „Campione“, der wir folgen.
Diese Ausfahrt windet sich im Berg und durch den Berg – man f√ľhlt sich, als w√ľrde man in einem Schneckenhaus¬† bergab rasen!
Plötzlich РLicht, Sonnenschein, wein winziges Dorf und ein wunderschöner Stellplatz mit V/E am Ende des Dorfes!

Wir stehen direkt am Ufer des Gardasees, Blick auf das sonnengebadete Malcesine auf der anderen Seite, und können den Windsurfern und Kite-Surfern an unserem Ufer zuschauen!
Ein Spaziergang durch¬īs Dorf ist schnell gemacht.
Morbider Charme liegt √ľber der verfallenen Seidenspinnerei und der Kupferh√ľtte, wo einst viele hundert Menschen einen Arbeitsplatz fanden.
Das alte Herrenhaus ist restauriert, und auch die anderen Wohnhäuser sind nett zurecht gemacht.

Der Stellplatz liegt trotz der Nähe zur Strasse sehr ruhig, da die Strasse ja im Tunnel verläuft.
Abends glitzern die Lichter von Malcesine¬† zu uns hin√ľber, und die Wellen pl√§tschern leise…….

01. Oktober
Wir verlassen den Stellplatz, und zahlen erstaunlicherweise nur 10 statt wie auf dem Schild genannt 13 Euro!
Der Stellplatzf√ľhrer hat uns erz√§hlt, dass am Nordufer des Sees, in¬† Arco, heute Wochenmarkt ist – also nichts wie hin!
Wir finden den Markt, und sogar einen Parkplatz ganz in der Nähe!
Auf diesem Markt finde ich f√ľr je 10 Euro meine geliebten langen Jeansr√∂cke, preiswerte und schicke W√§sche, Schuhe f√ľr uns beide undd vieles mehr – es macht sehr viel Spass, zu bummeln, zu gucken, zu feilschen und…… zu schnuppern: Pollo vom Grill! Jaaaa!

Ein nahegelegener Supermarkt versorgt uns noch mit Wein und Wasser.

Wir folgen danach den Wegweisern¬† „Valle de Ledro“ und geniessen¬† trotz Nieselregens die Fahrt am wundersch√∂nen Ledrosee entlang!
(Bei Pieve de Ledro gibt es einen ausgeschilderten Stellplatz mit V/E)

Nach einer abwechselungsreichen Fahrt kommen wir nach  Bagolino am Nordende des Idro-Sees.

 

Dort entdecken wir ein „Biotopo“, das trotz Matsch und Modder auf Holzwegen gut zu erwandern ist.

 

 

 

Zarteste Gr√§ser wechseln sich ab mit harten Schilfen, winzige Blumen bl√ľhen im fast schwarzen Brackwasser, ein unglaubliches Farbspiel!

 

 

Nach einem langen Spaziergang fahren wir noch ein wenig weiter an die S√ľdseite des Idro, bis zum St√§dtchen Idro, und dort finden wir einen sehr sch√∂nen CP, der nicht nur parzellierte Komfortstellpl√§tze bietet, sondern f√ľr uns¬† einen sch√∂nen Stellplatz √ľber dem Strand, ohne Hecken,¬† zwischen hohen B√§umen auf einem dicken „Polster“ von Piniennadeln!

Der Blick √ľber den See ist wundersch√∂n …..

Nach Eindruch der Dunkelheit blinken die L√§mpchen von vielen „Lichterketten“ zu uns her√ľber, und √ľberall in den Bergen sieht man Scheinwerfer wie Irrlichter¬† herumwandern! Erstaunlich, wie viel Verkehr dort ist, obwohl man kaum eine Strasse erkennen kann!
Es sieht aus, als w√ľrden¬† Autos am Himmel fahren!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Oktober

Die „Migrata“ der Singv√∂gel beschert den J√§gern reiche Beute – immer wieder h√∂ren wir Sch√ľsse!
In Idro „kleben“ hunderte von Schwalben an den H√§usern, auf den Stromleitungen und den Dachrinnen bei einer kurzen Rast auf dem langen Flug nach S√ľden!

Und auch wir ziehen weiter, allerdings nach Westen, auf winzigen schmalen Strassen durch die Berge.
Irgendwo im Never-Never habe ich Angst, dass wir stecken bleiben, doch mein Fahrer beruhigt mich: wo der breite Lieferwagen vor uns durchkommt, kommen wir auch durch!

Und schon wenige Kilometer weiter bleibt der Lieferwagen schlicht „stecken“!
Eine Baustelle, von vorne kommt ein Zulieferlaster, der einen Teil der Strasse versperrt und versucht, sich an dem vor uns fahrenden Lieferwagen vorbei zu drängeln.
Der will ausweichen, und sitzt prompt auf der rechten, der Bergseite,  mit dem Hinterrad in einem tiefen Wasserabzugsgraben fest! Nichts geht mehr!
Alle Motoren aus, kurzes Palaver, und dann wird der riesige Laster milimetergenau am feststeckenden Lieferwagen vorbei dirigiert – und dann auch an uns – ich habe die Augen fest geschlossen!
Und dann werden auch wir am Havaristen vorbei gelotst, freundlich, leise, effizient und mit einem Lächeln, weil mein Angstschweiss-Ausbruch nicht unbemerkt geblieben war!

Nur mit viel Gl√ľck kommen wir mehr oder weniger durch Zufall genau da an, wo wir hin wollen: in Gardone im Valle Trompia.
Gleich als erstes sehen wir das Schild eines B√ľchsenmachers – und einen Parkplatz!


So ein Gl√ľck, nun k√∂nnen wir doch mal sehen, ob wir hier die Patronentasche bekommen, die unser Sohn sich f√ľr die Jagd¬† w√ľnscht!

Der freundliche B√ľchsenmacher verweist uns allerdings an eine andere Adresse und gibt uns eine gute Wegbeschreibung – leider verstehen¬† wir beiden Dussel rechts und links falsch und irren nun durch Gardone.

Gardone ist „Beretta-Stadt“ und viele Waffenh√§ndler und B√ľchsenmacher haben hier ihre Gesch√§fte. Unser Sohn nennt das ganze Tal „Valle di Canoni“!

Leider finden wir nirgends eine sch√∂ne Tasche f√ľr Sven – und die B√ľchsenmacher sind sehr unfreundlich, weil wir ja „nur“ eine Tasche und keine teure B√ľchse kaufen wollen!

Weiter geht¬īs √ľber Gussago nach Idro, wo wir den vom ADAC empfohlenen CP auch gleich finden !
Oh Schreck! Sardinenb√ľchse mit strengen Bestimmungen – die bestimmen sogar, ob man vorw√§rts oder r√ľckw√§rts in den schmalen Stellplatz einparkt!
Die Liegewiese ist √∂ffentlicher Parkplatz, der Strand schmal und dreckig, die Wege vor dem CP voller Hundekacke, und die benachbarte Eisenbahnlinie viel befahren ……………
Aber wir bleiben und machen uns einen faulen Nachmittag!

Iseo selbst, das wir am Nachmittag noch zu Fuss durchwandern, ist ein entz√ľckendes, altes St√§dtchen, mit winkeligen Gassen und Torb√∂gen in Hinterh√∂fe, mit vielen sch√∂nen Pl√§tzen mit gepflegten Denkm√§lern.
Der Grosse Platz ist eingefasst von schönen Häusern mit Bogengängen. Viele schöne Geschäfte, vom Stoffladen bis zum Obstladen, vom Juwelier bis zum Haushaltwarenladen locken zum Bummeln

Wir decken uns reichlich mit frischem Obst und Maronen ein, und auch einige Mitbringsel f√ľr zuhause finden den Weg in unser Womo!

Ein Espresso und ein Grappa an der Strandpromenade krönen unseren Bummel durch Iseo!

3. Oktober

Nun, √ľber diesen Tag l√§sst sich nicht viel sagen …… √ľber enge Strassen sind wir zum¬† Lago die Lecco gefahren, einem √∂stlichen Seitenarm des Lago di Como, und stehen abends auf einem CP in Balisio, 8 km n√∂rdlich¬† von Lecco.
Das Wetter ist feucht, schw√ľl und es nieselt …..

Was den Tag allerdings krönt, ist das Abendessen!

Die Vorspeisen stammen alle vom Laden am CP !

Febr. 2010
Wir haben¬† heute √ľber diese Reise gesprochen und uns erinnert:
der Laden ist nur  ein paar hundert Meter vom CP entfernt, in einer alten Brauerei oder ähnlichem. Er gehört nicht zum CP.
Der Laden hat eine grosse Käsetheke, und eine grosse Wursttheke, und  viele der  Kunden kamen  aus der direkten Umgebung und viele waren Stammkunden! Man merkte das an der Reaktion der Verkäuferinnen und an den Gesprächen!
Neben frischen Lebensmitteln gab es auch viele  Spezialitäten in Gläsern oder Dosen, und auch viel geräucherte oder luftgetrocknete Produkte. Und auch Weine und Schnäpse aus der Region.
Dazu bot der Laden eine Vielzahl von Kunsthandwerk aus der Region, aus Holz, Metall, Wolle und vieles mehr!

 

 

 

 

 

 

 

 

04. Oktober

Nach einer lauten Nacht mit Blitz und Donner und dem Geprassel des Platzregens verziehen sich schon beim Fr√ľhst√ľck die Wolken , und noch w√§hrend wir die bedauernswerten Zeltcamper auf dem Platz beobachten, die ihre Klamotten und ihr Bettzeug zum Trocknen ausbreiten, kommt, um ihnen zu helfen, die Sonne raus!

Wir fahren zur√ľck nach Lecco, und von Lecco nach Como und weiter zum Lago Maggiore.
Jei, die Strassen nach Como runter sind ein ganz besonderer Spass Рnur gut, dass  heute nicht sooooo viele Laster unterwegs sind, wie an Wochentagen!

 

Allerdings empfinde ich das alles immer noch als totalen Wahnsinn – mit den Fahrrad- und Motoradfahrern, die sich unger√ľhrt zwischen den Autos und Bussen durchdr√§ngeln!

 

Und so manches Mal habe ich mich gefragt, ob der rechte Aussenspiegel nun auch noch zu Bruch geht, nachdem der Linke seit Cortina so ein h√ľbsches Mosaikmuster hat!

 

 

An der engsten Stelle mussten wir den Spiegel sogar einklappen!

 

Am fr√ľhen Nachmittag sind wir am Lago Maggiore. Ein CP am s√ľdlichen Ende des Sees hat ge√∂ffnet, und wir d√ľrfen uns einen Stellplatz direkt am see aussuchen.
Der Platz liegt recht weit von der Strasse und der Bahn weg, ist ruhig, und bietet ausserhalb auch gute „Hundespaziergangsm√∂glichkeiten“ – f√ľr uns ja immer recht wichtig!

Aber erst mal geniessen wir 26 Grad und Beach!

05. Oktober

Nach einer Nacht mit Gewitter und Regen pustet heute morgen ein kräftiger Wind!
Noch vor dem Fr√ľhst√ľck beobachten wir eine offensichtlich f√ľhrerlose kleine Yacht mit geschlossener Persenning, die¬† vor uns auf dem See treibt.
Eine gr√∂ssere Yacht bemerkt wohl auch, dass die „kleine“ sich irgendwo losgerissen hat und niemand an Bord ist – die Kleine wird in¬īs Schlepptau genommen und zum n√§chsten Bootshafen gebracht!

Heute fahren wir an der K√ľste des Maggiore nordw√§rts.
Palmen und Oleander wachsen hier in gepflegten Gärten, und trotz des Nieselregens ist ganz schön was los!
In Arona ist Rennboottag, irgendwo sehen wir einen gutbesuchten Jahrmarkt, und √ľberall auf den Strassen in den St√§dtchen flanieren Menschen am Ufer.

 

 

 

 

 

 

 

Kurz vor Gravellina m√ľssen wir anhalten: der Tross eines Fahrradrennens und dann auch die Rennfahrer selbst auf ihren R√§dern kommen an uns vorbei!
Lustig: mehr Begleitfahrzeuge als Rennräder!

 

 

 

 

In Gravellina biegen wir ab zum Lago di Orta, westlich vom Maggiore.
Dort sind die Villen und die passenden Bootsh√§user √§lter, die Hotels im Zuckerb√§ckerstil leer und geschlossen – doch irgendwie strahlt das ganze einen Charme aus, der unten am Maggiore¬† von Menschenmassen erdr√ľckt wird!

Auf der R√ľckfahrt¬† durch die Berge zwischen dem S√ľdende des Orta und Arona am Maggiore halten wir noch mal im Wald und sammeln bei einem sch√∂nen Spaziergang¬†¬† – trotz Nieselregen – eine grosse Plastiktasche voller Maronen, von denen wir einige gleich r√∂sten, als wir zur√ľck auf dem CP sind!

Und hier verlassen wir die „Lagos“ ….. irgendwie gef√§llt es uns hier nirgendwo so wirklich richtig!
Das liegt wohl an uns, die wir Berge nicht so sehr m√∂gen, lieber am Meer sind ….. und auch grosse Seen eigentlich nur f√ľr eine „Pf√ľtze“ halten!

Zur R√ľckfahrt geht¬īs¬† hier!