Kalmar

13.09.07

So, heute ist „Fahrtag“, das heisst, auschecken, und weiter nordöstlich einen neuen Platz suchen!

FĂŒr die 4 Tage auf dem schönen CP „BackĂ€kra“ zahlen wir inclusive Hunde und Strom 600 SEK, umgerechnet ungefĂ€hr 65 Euro, etwas ĂŒber 16 Euro am Tag.

Unsere Route fĂŒhrt ĂŒber Simrishamn weiter nach Norden durch das StĂ€dtchen Kivik,

wo gerade das jÀhrlicheApfelfest vorbereitet wird,durch endlose Apfelplantagen hindurch.

An der Strasse stehen viele SelbstbedienungsstĂ€nde mit herrlichen frischen Äpfeln und Birnen – wir können natĂŒrlich nicht widerstehen und kaufen ein – denn nicht nur unsere Hunde lieben frische Äpfel!

1kg Äpfel, egal, welche Sorte, kosten dort 10 SEK, also knapp ĂŒber einen Euro!

Im strahlenden Sonnenschein fahren wir weiter, die Landschaft verĂ€ndert sich, wird sehr hĂŒgelig, fast wie ein Mittelgebirge. Die KĂŒhe stehen richtig „schief“ auf den steilen Weiden.
Vorbei an Kristianstad, weiter nach Osten , Richtung Karlskrona, und weiter nach Norden, vorbei an Kalmar, von wo die BrĂŒcke nach Öland fĂŒhrt.
10 km hinter Kalmar biegen wir, von „Spatzi“, unserem Navi, geleitet, von der Autobahn ab und folgen einem winzigen StrĂ€sschen, das zwischen dicken, mit Moos bewucherten Mauern durch Felder und Wald auf eine Halbinsel namens Rafshagsudden fĂŒhrt .

 

 

 

 

 

 

 

Dort finden wir den CP „Kalmar Camping Rafshagsudden“ , ziemlich am Ende der Welt – ach neee, der Landzunge im lichten Wald direkt am Meer gelegen – recht einsam und bestimmt ganz ruhig.
Wir fahren zur Rezeption – keiner da ! Aber ein paar Deutsche, die mit ihren CampingstĂŒhlen an der Strasse sitzen – wenn man aufÂŽs Meer schaut, könnte man ja irgendwas auf dem Platz verpassen – BlockwartmentalitĂ€t – erklĂ€ren uns, wir sollten uns einfach einen Platz aussuchen, irgendwann wĂŒrde irgendwer kommen und sich um uns kĂŒmmern !
Gesagt, getan, und schon bald stehen wir mit 2 m Abstand vom sehr flachen Wasser, mehr einer ĂŒberfluteten Wiese, auf einer kleinen geschotterten FlĂ€che im strahlenden Sonnenschein, mit Blick auf Inseln und Halbinseln, auf Öland und die ÖlandbrĂŒcke.

Abends kommt niemand mehr, um sich um uns zu kĂŒmmern,
doch am

14.09.07,

morgens um 8 Uhr, klopft der CP-Betreiber an unsere TĂŒr und erklĂ€rt dem verschlafenen Wilfried, die Rezeption sei nun bis 11 Uhr besetzt, und wir könnten ja nachher mal vorbei kommen, und uns anmelden.
Der nette Mensch hat nicht schlecht gestaunt, als sich gegen 10.30 dann zwei Frauen bei ihm angemeldet haben – gaaaanz vorsichtig hat er nach der Anzahl der Personen in unserem Womo gefragt!
(Dazu muss ich erklĂ€rend sagen, dass nachts neben mir „Wilfried“ schnarcht, nicht Gesine, denn mit PerĂŒcke und Sillebusen ….. neee, das wĂ€re zu unbequem!)
Hunde sind hier ĂŒbrigens kostenlos, und es stehen ĂŒberall MĂŒlleimer fĂŒr die Kot-TĂŒtchen bereit!

„Hundslatrin“!

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wollen heute ein bisschen faulenzen, und so beschliessen wir, nur im 6 km entfernten Dorfladen einzukaufen und bald auf den CP zurĂŒckzukehren.
Dieser Dorfladen ist so richtig schön altmodisch : man bekommt eigentlich alles, was man so braucht, Lebensmittel, Brot, Zigaretten, DamenstrĂŒmpfe, NĂ€hzeug , Haarspangen Haushaltsartikel, Kochpötte…..
und dazu noch so fast vergssene SchĂ€tze wie Hirschhornsalz, Lakritzpfeifen ( unsere Generation wird sich noch daran erinnern!) , Salmiakpastillen, Siegellack fĂŒr Flaschen, und Konservierungsmittel E … fĂŒr SĂ€fte!
Man kommt sich so ein bisschen – in eine andere Zeit versetzt vor !

Um aus der Vergangenheit wieder in die Gegenwart zu finden, fahren wir spontan nach Kalmar, zu IKEA !
Kennen wir ja von Bremen, aber die schwedischen IKEA-HĂ€user vermitteln einem doch den Eindruck, dass die Schweden ihre Wohnungen andrs einrichten als viele Deutsche.
Wenn man den „Modelleinrichtungen“ im Möbelhaus glauben darf, braucht der Schwede eine KĂŒche, mit einem riesigen Esstisch, der bei Bedarf noch vergrössert werden kann , und daneben einen kleinen Wohnraum, der eher als Fernsehzimmer dient – gewohnt wird wohl hauptsĂ€chlich in den gemĂŒtlichen WohnkĂŒchen, dort spielt sich ein grosser Teil des Familienlebens ab.

Nachmittags sind wir wieder auf dem CP, gehen mit den Hunden Pilze sammeln, und finden schon auf dem weitlÀufigen GelÀnde des CP mindestens 2 Kilo, die wir blanchieren und einfrieren.
Steinpilze, Maronen, Birkenpilze …. all die Pilze, die wir so mögen, und neben dem Wohnmobil im Gras wachsen Anis-Champignons – vom feinsten!
Und Preisselbeeren habe ich eingekocht – nur 2 kleine GlĂ€sen, dafĂŒr aber mit ganz wenig Zucker – hmmmmm, lecker!

15.09.07

Heute fahren wir nach dem FrĂŒhstĂŒck gemĂŒlich ĂŒber Landstrassen nach Kalmar, der nĂ€chsten grösseren Stadt dieser Gegend.
Die Innenstadt liegt auf einer Insel, von FestungswÀllen umgeben, und ist ganz systematisch in Quadrate aufgeteilt.
Direkt an der Zufahrt zur Insel finden wir grosse kostenlose ParlplĂ€tze, von denen ein Teil extra fĂŒr Wohnwagen und Wohnmobile gekennzeichnet ist. Von hier ist es nur ein kurzer Fussweg bis in die lebendige und schöne Innenstadt, was uns gut gefĂ€llt, wir wissen nĂ€mlich unsere „Mupfel“ gerne in erreichbarer NĂ€he!

Wir haben auch einen guten Grund dafĂŒr: wenn Gesine unterwegs „mal muss“ – wohin soll sie denn gehen, in die Damentoilette oder aufÂŽs Herrenklo? Also gehen wir unnötigen Diskussionen lieber aus dem Weg und suchen uns ParkplĂ€tze in StadtnĂ€he, was dank Navi und StadtplĂ€nen ja auch nicht schwer ist, so dass wir „bei Bedarf“ jederzeit recht schnell wieder zu unserer eigenen Toilette zurĂŒck finden können .

Ab in die Stadt – die FussgĂ€ngerzone , die Storgatan ( Hauptstrasse ) entlangbummel, die Seitenstrassen durchstreifen!
Rasch sind 2 Stunden vorbei, und wir kommen schwer bepackt und mit runden FĂŒssen zum Womo zurĂŒck, wo wir feststellen, dass sich das Iso-Air-System sehr gut bewĂ€hrt hat : trotz praller Sonne ist es im Womo angenehm, und die Hunde fĂŒhlen sich wohl !

Noch ein rascher Einkauf im Supermarkt, und im „System Bolaget“, dem stattlichen GetrĂ€nkeladen, und zurĂŒck auf den CP , neue Röcke und Blusen anprobieren, neue WĂ€sche bewundern ….. „typisch Weiber“ eben!


Heute war es den ganzen Tag trocken, bei max. 16 Grad aussen, morgens windig, abends fast windstill.

 

 

16.09.07

12 Grad, Nieselregen, Wind – kein Tag fĂŒr Bummeln oder Shoppen in schönen StĂ€dtchen …. aber ein Tag, um durch die Gegend zu fahren und mal wieder das „Glasreich“ aufzusuchen, das uns vor 17 Jahren , zusammen mit unseren Kindern, gut gefallen hat. Den GlasblĂ€sern bei der Arbeit zuzuschauen, und die GlĂ€ser und Schalen, Skulpturen und SchmuckstĂŒcke zu bewundern, die dort entstehen, hat uns damals viel Freude gemacht.
Laut BroschĂŒren sollen sowohl die GlasblĂ€sereien als auch die Damastweberei am heutigen Sonntag geöffnet haben.

Die Strecke fĂŒhrt leicht, aber bestĂ€ndig bergauf, bis auf 250 m, durch wundervolle WĂ€lder, vorbei an steinigen Viehweiden, durch verschlafene Dörfchen und leuchtend blauen Seen. Die Strassen sind hervorragend ausgebaut, zum grossen Teil „2+1“ , also zwei Fahrspuren auf der einen Seite, und eine Spur auf der anderen, abwechselnd, und zwar so, dass meist die Bergauf-Strecke 2-spurig ist.

Zwischendurch ist dann auch mal ein Tankstop nötig, und wir tanken fĂŒr umgerechnet 96 Cent – da kommt Freude auf!

Windig istÂŽs – aber beim Tanken freundlicherweise mal trocken!

Wir fahren also von Kalmar nach Nybro, der „Pforte“ des Glasreiches, und da es noch recht frĂŒh am Tag ist, weiter nach Hovmantorp – wo wir zu unserem Bedauern feststellen, dass die Damastweberei wegen Urlaub geschlossen hat. Ähnlich ergeht es uns an der ersten „Glasbruk“ , und leicht enttĂ€uscht fahren wir quer durchÂŽs Land ĂŒber kleine Strassen nach Koste, wo wir „Kosta-Boda-Glasbruk“ und -Factory outlet besuchen wollen.
Offen sind die LĂ€den schon, aber was fĂŒr ein Nepp! Der Factory Outlet ist fĂŒr Sportkleidung und Oberbekleidung berĂŒhmter Marken, der Glasladen bietet finnisches Glas, und in den GlasblĂ€sereien wird einem das Geld nur so aus der Tasche gezogen !
Weiter zur nĂ€chsten „Adresse“ – genau das gleiche Bild ! Kosta und Boda gehört dort alles, was irgendwie mit Tourismus zu tun hat, einschliesslich der WĂŒrstchenbuden !
Die einzige GlasblĂ€serei, die offensichtlich noch nicht zum Kosta.Boda.Konzern gehört, in Flygsfors, macht einen völlig vernachlĂ€ssigten, dunklen Eindruck, und der Mann, der uns muffelig begrĂŒsst, hat echte Probleme, sich vomn der Formel 1 im Fernsehen loszureissen. Damit wir ihn nicht zu lange stören, macht er vorsichtshalber auch das Licht im Ausstellungsraum nicht an!
Drei HÀuser weiter ein gammeliger AntiquitÀtenladen, mitten im Nowhere, aber mit Preisen wie ein LuxusgeschÀft am Picadilly Circus!
Neeee, das gefÀllt uns nicht! Da kaufen wir die geplanten neuen GlÀser lieber bei IKEA !
Also ignorieren wir Spatzi, den Navi, und fahren durch kleine und gemĂŒtliche StrĂ€sschen wieder Richtung KĂŒste, geniessen die Natur um uns herum, und freuen uns, dass der Regen aufgehört hat und die Sonne ab und zu mal hervor kommt.
Leider fĂŒhlte sich Spatzi nun ĂŒbergangen , nahm wieder die FĂŒhrung an sich, und quĂ€lte uns durch StrĂ€sschen, in denen wir nur hoffen konnten, dass uns niemand entgegen kommt!

Den inzwischen wieder verregneten Nachmittag und Abend geniessen wir im Womo,
und in den Regenpausen schauen wir uns die BrĂŒcke an, ĂŒber die wir morgen nach Öland fahren werden!

Ach ja, die Paprika hat Gesine ĂŒber der offenen Herdflamme mir dem „Toaster“ vorher gegrillt , natĂŒrlich in Streifen geschnitten – so bekommen sie einen ganz eigenen Geschmack, den man ansonsten nur von den italienischen Antopasti-Paprika kennt.
Und dann hat Gesine die Paprika ganz kurz vor dem Servieren erst dem Goulasch zugefĂŒgt!

17.09.07

Heute morgen fahren wir erst mal in den Supermarkt nach Kalmar, wir brauchen Hundefutter, Mineralwasser, natĂŒrlich was Feines fĂŒrÂŽs Abendessen, und da sich Gesine gestern hier ein T-Shirt gekauf hat, was ihr so gut gefĂ€llt, kauft sie sich gleich noch eines in einer anderen Farbe – ich mache es ihr natĂŒrlich nach – grins !
Auf der Suche nach Anti-MĂŒcken-Kerzen gehen wir noch in den benachbarten COOP, wo ich echt MĂŒhe habe, Gesine davon zu ĂŒberzeugen, dass man MĂŒckenkerzen nicht bei Damenoberbekleidung findet!

Dann fĂŒhrt uns Spatzi auf die Insel Öland ….. die meiner Meinung nach „Ödland“ heissen sollte, zumindest teilweise!

Zuerst fahren wir an der KĂŒste entlang nach SĂŒden, durch ausgestorben wirkende Dörfchen mit geschlossenen GeschĂ€ften. Hier ist wohl nur zum Hauptreisezeit was los, im September werden hier die BĂŒrgersteige hochgeklappt und der Asphalt aufgerollt!

Weiter sĂŒdlich durchqueren wir die Insel und fahren dabei durch die „Stora Alvaret“, die berĂŒhmte „Pampa“ im Inneren der Insel.
Selbst im Sonnenschein sieht es hier doch sehr „trostlos“ aus: steinige Viehweisen, endlose Steinmauern, wenige windzerzauste BĂŒsche, und wieder Steine, Mauern …… !

AuffÀllig sind die vielen Vögel, die hier wohl Rast machen, wir sehen sogar Kranniche, sowohl auf den Weiden, wie auch in V-Formation beim Flug.

An der OstkĂŒste folgen wir dann einem kleinen Weg, der uns ĂŒber Cattle-Grids, also in den Boden eingelassene Viehgitter, bis zu einem CP am Strand fĂŒhrt.

Dort machen wir einen Spaziergang, finden es aber trotz Sonnenschein nicht schön hier: am Strand liegt stinkender Seetang und viele Quallen, und alles wirkt verlassen und öde, obwohl der CP noch geöffnet ist und auch noch Wohnwagen und Zelte dort stehen.

Die Rettungsstation finden wir irgendwie witzig !

Weiter nördlich wird die Insel dann wieder grĂŒner, schöne WĂ€lder locken zu einem Spaziergang, und auf den RastplĂ€tzen sieht man viele Menschen bei einem Picknick.

HĂŒbsch sind auch die vielen, oft sehr gut restaurierten WindmĂŒhlen, die eng mit der Geschichte dieses Landes verbunden sind.

Am Nachmittag verlassen wir Ö(d)land, ohne Bedauern – vielleicht zeigt sich die Insel nur im Sommer von ihrer schönen Seite!

Der Blick von der BrĂŒcke aus ist natĂŒrlich wunderschön – auf der einen Seite die Sky Line von Kalmar im Gegenlicht,

auf der anderen Seite Inseln und StrÀnde!

Das wird unser letzter Abend hier in dieser Gegend sein, morgen fahren wir weiter, noch ein bisschen nach Norden, und dann nach Westen!

Ach ja, verhungert sind wir an diesem letzten Abend bei Kalmar natĂŒrlich auch nicht!

Da die Rezeption beim Hundespaziergang gerade geöffnet war, haben wir fĂŒr die fĂŒnf Tage bezahlt.

800 SEK incl. Strom und V/E, umgerechnet etwa 87 Euro, also 17,40 Euro am Tag.

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