Patientenalltag bei Dr.S.

Liebe Freunde,
mein heutiger Blickwinkel hat ein Thema, das mich seit Tagen beschäftigt .
Ihr alle wisst, dass wir hier in Thailand sind, weil sich meine Gesine einer Geschlechtsangleichenden Operation unterziehen wollte, und fĂĽr uns Thailand und die Klinik von Dr. S. die „erste Wahl“ war.
Nun, die OP ist erfolgreich verlaufen, und meine Gesine ist nun auch körperlich eindeutig eine Frau.
Wir beide sind glĂĽcklich und zufrieden, auch wenn der Weg nicht leicht war und der Heilungsprozess langwierig ist.
NatĂĽrlich haben wir uns vor der Entscheidung fĂĽr Dr.S. „schlau“ gemacht ĂĽber deutsche Operateure, ĂĽber die Möglichkeiten, die die Krankenkassen bieten, ĂĽber die unterschiedlichen Operationsmethoden, und vieles mehr, und haben dabei auch den endlosen Streit der Transsexuellen in den diversen Internetforen mitbekommen, welcher Operateur denn nun besser sei als der andere.
Nun, diese Diskussion erĂĽbrigt sich meiner Meinung nach, denn jede der Transsexuellen, die sich fĂĽr einen bestimmten Operateur entschieden hat, kann ĂĽber die Operation und ihre Folgen ja nur subjektiv berichten ………..es fehlen ja die Vergleiche, denn jede kann ja nur einmal im Leben operiert werden!
NatĂĽrlich kann Frau im Nachhinein berichten, wo es Probleme gab, wo sie nicht zufrieden ist, wo alles anders lief als gehofft…….aber das sind halt alles Berichte aus einer einzigen Sicht……..die nächste, die ĂĽber den gleichen Operateur berichtet, ist vielleicht absolut nur glĂĽcklich mit dem Ergebnis, das ja von so vielen durchaus unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen, aber auch von der jeweiligen Erwartungshaltung abhängt.

Was mir im Kopf herum geht, und was mir klar gemacht hat, dass unsere Entscheidung, die OP nicht von der KK bezahlen zu lassen, obwohl wir die Zusage haben, sondern das eigene Geld in diese wichtige Op zu investieren, richtig war, ist folgendes:

Die KK zahlt an die Operateure und Krankenhäuser in D. für die GaOP in etwa die gleiche Summe, die wir hier nach Thailand überwiesen haben.
In D. beinhaltet diese Summe die Kosten für die OP, die Anästhesie, und die stationäre Aufnahme und Behandlung für rund 12 Tage im Krankenhaus inclusive Mahlzeiten etc.

Wie sieht das nun hier in Chon Buri aus?
Nach intensiven Mail-Kontakten und Kontakten mit einer Dame der Klinik, die alle Fragen geduldig beantwortet hat, wurden wir hier vom Wagen der Klinik am Flugplatz in Bangkok abgeholt und zum Hotel gebracht, dass die Klinik bereits fĂĽr uns gebucht hatte – mit Klinikrabatt, versteht sich. Di Hotelkosten gehen allerdings separat auf unsere Rechnung, sind also im Op-Preis nicht drin.
Am selben Tag noch kam eine der netten Damen der Klinik zu uns ins Hotel und bat uns, am Nachmittag zum OP-Vorgespräch mit Dr.S in die Klinik zu kommen, ob sie uns einen Wagen schicken sollten? Für die 150m konnten wir da allerdings gut drauf verzichten und sind das kurze Stück gelaufen.
Im Rahmen unseres Besuches dort in der gemĂĽtlich und stilvoll eingerichteten Klinik stellten wir als erstes fest, dass der kuschelige Raum mit der kleinen Bar uns und allen anderen Patienten jederzeit zur VerfĂĽgung steht …..inklusive kostenlosem Internet mit 2 PCs, und den (alkoholfreien) Getränken , die von einer freundlichen Dame serviert werden.
Auch der kleine Garten, der wie eine Oase in der Stadt wirkt, steht uns jederzeit zur VerfĂĽgung.
Die Klinik ist eine Art „soziales Zentrum“ und Treffpunkt fĂĽr die Patientinnen, von denen eigentlich immer 15 im Hotel und 5 im Krankenhaus sind – die Patientinnen der Schönheitsoperationen noch nicht eingerechnet. Es ist also immer Betrieb in der Klinik, niemand muss allein rumhocken, oder einsam vor sich hin leiden! Es ist lustig und informativ dort…..und die Damen kommen aus aller Herren Länder – Gesprächssprache englisch!
Einmal wöchentlich werden AusflĂĽge fĂĽr die Patientinnen und ihre Angehörigen angeboten… mal nach Pattaya, mal ins Beach House des Herrn Doktor, mal zu einem Tempel……..da wird allerdings um einen kleinen Unkostenbeitrag fĂĽr die Bewirtung gebeten.Bei diesen AusflĂĽgen ist mindestens eine Krankenschwester und oft eine Maseurin und eine Köchin dabei.
NatĂĽrlich brachte uns dann ein Wagen der Klinik am Tag vor der Operation ins Krankenhaus ( das liegt etwa 5 km von Hotel und Klinik entfernt – in der Klinik wird nicht „gross“ operiert).Wir wurden von einer der S-Damen durch die Anmeldung und Aufnahme dort geschleust….alles ging unglaublich schnell, und um das Gepäck kĂĽmmerte sich selbstverständlich ein Kofferträger.
Das Krankenhaus selbst war hervorragend, mit vielen freundlichen Schwestern, und kompetenten Ă„rzten.
Die Speisekarte ist hotelähnlich, die Mahlzeiten schmackhaft und sehr apetitlich angerichtet.
Für mich gab es selbstverständlich ein eigenes Bett im Zimmer, ich habe nach 7 Tagen dann 50 Euro für Bett und Mahlzeiten incl Getränke bezahlt.
Die Nacht nach der OP hat eine der Schwestern des Dr.S. bei Gesine auf der Couch geschlafen und hat ihr bei jeder kleinsten Bewegung alle WĂĽnsche von den Lippen abgelesen. Dr.S. schaute einmal täglich herein, seine Nurses mehrmals täglich – zusätzlich zu den kompetenten und lieben Schwestern des Krankenhauses .
Nach 7 Tagen ging es zurĂĽck ins Hotel … natĂĽrlich mit Rollstuhl und dem Wagen der Klinik …..in Begleitung einer „Nurse“.
Dort erwartete Gesine bereits eine riesige Tasche mit allem, was sie in nächster Zeit fĂĽr die Wundversorgung so braucht: Betteinlagen, Jod, Heilsalbe, Gleitcreme, Slipeinlagen,Wattetupfer, Gummyhandschuhe, Pinzette, Handspiegel, Wecker ( fĂĽr die Bougierzeiten), individuelle Medikamente, ein GĂĽrtel fĂĽr´s Bougieren, eine wasserfeste Unterlage , Riesenspritzen zur inneren JodspĂĽlung ………..und mit den 4 berĂĽhmten „Dilatoren“ aus Glas und dem Sitzkissen ( hier auch „fanny pad“ genannt)
Täglich 2 mal kommt eine dieser freundlichen Nurses ins Hotel und fragt, ob alles ok sei – einmal täglich wird Blutdruck gemessen, alle 3 Tage ist der Chef da fĂĽr eine Nachuntersuchung………vorausgesetzt, man hat keine Probleme. Sollten Probleme auftauchen, kann man täglich mit Dr. Suporn reden, und ein Notdienst fĂĽr nachts und an den Wochenenden ist einsatzbereit.
In der Klinik wird man stets freundlich und lustig begrĂĽsst, mit Vornamen.
Brauchst du ein Taxi, „Schesine“?
ManicĂĽre – warte, ich bringe Dich hin!
Eine neue Kamera, die alte ist kaputt? ich hole einen Wagen, der bringt dich in den Laden.
Eine Schneiderin fĂĽr ein paar schicke Klamotten………..wann soll sie kommen?
Die Wäsche – bringt sie her!
Alles, was man wĂĽnscht, wird sofort erledigt, besorgt, organisiert……….da brauchen auch kleine Wunder nicht lange!

Den gleichen liebevollen Service erhielten auch unsere Tochter und ihr Lebensgefährte, als sie uns besuchten – nur fĂĽr den Wagen der Klinik , der sie vom Flugplatz abgeholt und wieder hingebracht hat, mussten sie umgerechnet 25 Euro zahlen.

Die Warmherzigkeit, die Fröhlichkeit, die liebevolle Art, mit der die Krankenschwestern, die „nurses“ nicht nur mit Gesine, sondern auch mit mir umgehen – die lässt sich nicht bezahlen oder mit Geld aufwiegen! Wir fĂĽhlen uns so wohl, so …..ja, man kann sagen, geborgen, betĂĽtelt, umsorgt….. es ist schlicht unglaublich schön!

Und das ganze fĂĽr die komplette Zeit des Aufenthalts, bei uns sind das rund 4 Wochen – bis uns der Wagen der Klinik zum Flugplatz zurĂĽck fährt!!

Ist jetzt klar, warum wir froh sind, uns fĂĽr Chon Buri entschieden zu haben?

Liebe GrĂĽsse
Anette

PS
Hier in Thailand werden vielerorts Operationen (Schönheits-OPs, Augen-OPs und Zahnbehandlungen) von durchaus hoch qualifizierten Ärzten angeboten, zu Preisen, bei denen man in D. oft noch nicht mal ein Vorgespräch oder eine Voruntersuchung bekommt.
Demzufolge gibt es einen recht lebhaften „OP-Tourismus“, aus Deutschland, aber vor allem aus Ländern wie den USA, in denen Krankenkassenpflichtversicherungen nicht ĂĽblich sind.