Wieder daheim

 

Wir sind wieder zurĂŒck!

In Chon Buri, nachmittags um drei erhielten wir eine Email von der Fluggesellschaft, dass sich der Abflug verspĂ€tet. Neue Abflugzeit 04:45. Das hieß, der Wagen zum Flugplatz holte uns um 01:00 vom Hotel ab.

Wie schlÀgt man jetzt die Zeit tot, stellen wir uns den Wecker auf Mitternacht und schlafen einfach schon mal ein paar Stunden? Dilaten muss ich auch noch irgendwann.

Plötzlich klopft es an der TĂŒr, Jasmin aus Wien möchte uns verabschieden und nimmt uns damit die Entscheidung ab. Wir klönen noch ein paar Stunden mit ihr, dann dilaten und schon können wir in der Rezeption anrufen und jemanden „ordern“, der unsere Koffer schleppt. Das ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Dr.S. schreibt uns vor, die ersten drei Monate nach der OP nichts zu heben, was schwerer als 10 Kg ist, und da kommen die Koffer leicht drĂŒber.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir das Hotel und lassen uns durch das nĂ€chtliche Thailand zum Flugplatz fahren. WĂ€hrend wir die Lichter der StĂ€dte betrachten, ĂŒberlegen wir beide noch einmal, welche EindrĂŒcke wir hatten, wie wir vor vier Wochen hier in der anderen Richtung fuhren. Der erste Eindruck damals war schlimm: dreckige, ĂŒberfĂŒllte Straßen, HĂ€user die dem Verfall nĂ€her schienen als der Erbauung und ĂŒber dem ganzen eine stinkende Glocke aus Smog. Zum GlĂŒck hatten wir beide den Gedanken, wie in einem derartigen Chaos eine medizinische Spitzenleistung möglich sein soll, nicht ausgesprochen, sonst wĂ€ren wir wohl postwendend wieder zum Flughafen zurĂŒck gefahren. Jetzt sind wir froh, dass wir geblieben sind, und wir haben gelernt, dass dieses Land, das nach außen so verfallen aussieht, da wo es drauf ankommt pikobello sauber ist.

Am Flugplatz schleppt unser Fahrer unsere Koffer zum Checkin. Innerhalb von Minuten steht ein Rollstuhl fĂŒr mich bereit, und schon werde ich zur Passkontrolle geschoben. Ein paar Poller verhindern die Weiterfahrt. Der Rollstuhl passt nicht zwischen Passkontrolle und den Poller, ok, ich kann ja aufstehen und laufen, was aber macht jemand der wirklich an den Rollstuhl gefesselt ist?
Auf der anderen Seite der Immigration erwartet uns das Zollfrei Paradies. Der Rollstuhlschieber hat aber morgens um vier keine Lust zu solchen Spielchen. Er hat den Auftrag mich zur VIP-Lounge zu bringen, und das macht er in aller Eile. Anette neben mir gerÀt schon fast ausser Atem, so schnell muss sie laufen.
In der VIP-Lounge steht ein Buffet bereit mit allerlei Leckereien und kalten und warmen GetrÀnken, mit und ohne Alkohol. Ausserdem gibt es einige Computer mit kostenlosem Internetzugang.
Allerdings steht die Klimaanlage wohl auf Nachtabsenkung. Ich finde es reichlich kalt, und vor den Rechnern, direkt unter den Ausströmern der Klimaanlage ist es sogar bitter kalt. Das gibt mir aber die Gelegenheit meine sommerlichen Klamotten gegen welche zu tauschen, die den Temperaturen in Europa angemessener sind.

Kurz vor der Abflugzeit holt uns der Rollstuhlschieber wieder aus der Lounge ab, manövriert uns durch die Sicherheitskontrollen, drÀngelt sich und uns an den anderen Passagieren vorbei, und schon sind wir im Flugzeug.

Völlig idiotisch gibt es kurz nach dem Abflug ein volles Abendessen. Bestimmt sehr schmackhaft, aber morgens um vier möchte ich lieber die Augen schliessen als mir den Bauch voll zu schlagen. Aber wir lassen es uns nicht nehmen Champagner zu bestellen und auf den Abschluss der Reise anzustoßen.

Der Flug ist ansonsten ziemlich ereignislos. Eine Stunde lang schaffe ich es wohl, irgendwie zu schlafen, aber dann wird es trotz 1.Klasse zu unbequem. Im Fernsehen ziehe ich mir Sean Connery als 007 rein, und dann noch Madagaskar 2. Der neueste James Bond wird auch angeboten, aber diese wahnsinnig schnellen Schnitte sind zu viel fĂŒr mein mĂŒdes Gehirn, und ich schalte wieder aus.

Mit insgesamt 1,5 Stunden VerspĂ€tung kommen wir in Amsterdam an. Rollstuhlservice ist bestellt, aber woran niemand gedacht hat ist, dass ja auch die Begleitung des Gehbehinderten von HĂŒh nach Hott kommen muss. Nein, alle Rollstuhlfahrer werden auf einen Elektrokarren geladen, und dann mit Tempo zur GepĂ€ckausgabe gefahren. Die Begleitpersonen sollen laufen? Nicht mit uns. Allerdings geht der Service nur bis zum Fahrstuhl vor der GepĂ€ckausgabe, danach sind Anette und ich auf uns allein gestellt.

Auf der Reise hab ich mal gemerkt wie schlecht Rollstuhlfahrer behandelt werden. Man muss sich um sie kĂŒmmern, aber wehe einer hat mal SonderwĂŒnsche, wie Zollfrei einkaufen. Rollstuhlfahrer werden geschoben und abgeliefert. Damit hat es sich.

Das Taxi in Amsterdam war dann natĂŒrlich auch nicht da. Wozu habe ich denen wohl die Flugnummer gegeben? Es sollte doch so einem Taxibetrieb möglich sein, mal im I-net zu gucken, wann der Flieger tatsĂ€chlich landet, um dann passend standby zu sein.
Aber tatsĂ€chlich musste ich erst bei dem Taxi2Airport anrufen um dann noch eine dreiviertel Stunde zu warten. Der Klops kam dann auf dem Campingplatz. Die Taxifahrerin meinte, wir mĂŒssten sie noch bezahlen. Ok, 5 Euro Trinkgeld waren ja in Ordnung, dafĂŒr musste sie auch die schweren Koffer wuppen, aber angeblich hĂ€tten wir bisher nur die Hinfahrt bezahlt und die RĂŒckfahrt mĂŒssten wir jetzt noch berappen. HĂ€tten wir dann so lange gewartet? Dummerweise hatte ich auch keine Quittung von dem Fahrer bekommen, der uns vor Wochen zum Flugplatz gefahren hat. Der Chef der Zentrale will das jetzt alles noch mal ĂŒberprĂŒfen. Bezahlt habe ich aber nicht noch einmal.

Im Womo kurz einheizen, Kaffee trinken, und dann das erste mal wieder dilaten. Danach eben einkaufen fahren fĂŒrs Abendessen. Tortellini mit Tomatensoße, dazu erst ein Glas Sekt, und dann könnte ein Bierchen ja ganz gut schmecken.

Der Sekt war ja ganz schön, und das Abendessen auch, aber dann holte uns die MĂŒdigkeit ein, und der Apetit auf ein Bierchen war mir völlig vergangen. Ich wollte nur noch ins Bett. Noch einmal dilaten und dann, gerade mal 20:00, die Augen zu, und durch geschlafen bis zum nĂ€chsten Morgen.

Dann ein wunderbares FrĂŒhstĂŒck mit Brot und Aufschnitt und…… kein Reis weit und breit.
Dann noch eben die 360 Km bis nach Hause, mit einer kurzen Pause an irgend einem hollÀndischen See zum dilaten, und dann hatten wir unsere Tiere wieder.

Den Abend haben wir dann per Telefon gekocht, und endlich hatten wir unsere eigenen Betten wieder.

Liebe GrĂŒĂŸe

Gesine